Auch nach Kritik der Aktionsgemeinschaft: Aufnahmeprüfung Lehramt in Salzburg massiv entschärft

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Im Oktober 2016 startete das neue Lehramt Cluster Mitte, ein gemeinsam eingerichtetes Studium der Hochschulen in Salzburg und Linz. Neu war also nicht nur der gemeinsam neu ausgearbeitete Studienplan, die Erhöhung der Schulpraxis an den Universitäten (im Vergleich zu den alten Diplomstudiengängen): Sondern auch für alle Studieninteressenten das erstmalige Aufnahmeverfahren – zumindest an der Universität Salzburg im Lehramt ein Novum.

Das Aufnahmeverfahren Lehramt, eine Entwicklung aus Graz und von vielen österreichischen Hochschulen eingesetzt, sollte dabei noch vor Studienbeginn die generelle Eignung als Lehrperson ermitteln und damit ungeeignete Personen direkt vor Studienbeginn „aussortieren“. In verschiedenen Kompetenzbereichen mussten dabei unter Zeitdruck in einer Prüfungssituation entsprechende Aufgaben am Computer gelöst werden. Am Ende dieses erstmaligen Versuchs kam der große Schock: anstatt einer niedrigen einstelligen Negativquote fiel fast jeder 5. Bewerber durch.

Es bleibt bis heute fraglich, ob ein Test vor Beginn des Studiums wirklich das Potenzial einer Person testen kann, die eine 6-jährige Ausbildung starten möchte und die eine lange und intensive Entwicklung im Studium noch durchleben wird. Als Aktionsgemeinschaft Salzburg haben wir damals aus diesem Grund die hohe Negativquote und das grundsätzliche Verfahren kritisiert, denn hier wurden zum Teil Lebensplanungen, Träume, Ambitionen und Wissensdurst zerstört. Die aussortierten Bewerber hätten unsere Kollegen sein können – hätten sie doch nur ein Jahr früher die Matura gemacht. So blieb vielen die Tür zum Lehramtsstudium verschlossen.

Nach öffentlicher Kritik von Studienvertretern der AG aus dem Lehramtsbereich letzten Sommer kam nun die Kehrtwende: für das kommende Studienjahr wird das bisherige Knock-Out-Verfahren gänzlich ausgesetzt – es gibt keinen Vor-Ort Computertest mehr und damit keine Negativquote. Einzig die Registrierung und ein Self-Assessment (zur Reflexion der eigenen Studienentscheidung) sind weiterhin notwendig, doch alle dürfen daraufhin in das Studium starten.

„Ich war überaus erfreut, als ich das entsprechende Mitteilungsblatt und die Verordnung der Universität gelesen habe. Nach dem letztjährigen Fehlstart in das neue Aufnahmeverfahren ist es gut, dass hier nun auch die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden. Selbst ohne diese unnötige Aufnahmehürde sind die Anfängerzahlen im Lehramt bereits rückläufig, die Kursplätze sind also vorhanden und eine wirkliche Eignung für den Lehrberuf kann in einem Computertest sowieso nicht überprüft werden“, kommentiert Juliana Naglmayr, ehem. bildungspolitische Referentin der ÖH Salzburg, die Situation.

„Für uns war von Anfang an klar, dass Beratung, Aufklärung und Unterstützung bei der Studienwahl viel sinnvoller sind als Knock-Out Prüfungen, geplatzte Träume und Zugangsbeschränkungen“, ergänzt Maximilian Wagner, ehem. stv. Vorsitzender der ÖH Salzburg.

 

Die Kritik am Aufnahmeverfahren ist u.a. hier (SN 28.06.2016) und hier (SN, 26.09.2016) nachlesbar. Maximilian Wagner hat damals die Entwicklung kommentiert.
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