Neuer Studienplan für die Kommunikationswissenschaft
Freitag, den 11. Juni 2010 um 08:05 Uhr
Aus "bakk.komm" wird "B.A.", aus "Mag.komm" wird "M.A.": Der neue Studienplan ist da! Update (6.7.10)
Vorberichterstattung nach dem Vortrag der StV-KoW, weiter unten die Updates:
Bachelor of Arts (B.A.)
Aus dem bakk-Studium soll ein BA-Studium werden. Dazu wird die Berechnung des Arbeitsaufwands von Semesterstunden auf ECTS-Credits umgestellt (1 Credit entspricht 25 Arbeitsstunden). Das Studium wird aus 136 Credits, die am Fachbereich Kommunikationswissenschaft absolviert werden müssen, und 44 Credits, die im Rahmen freier Wahlfächer auch an anderen Fachbereich absolviert werden können, bestehen. Die zweisemestrige Studieneingangsphase (STEP), die sie als Hürde nach dem Massenansturm im letzten Jahr in den Studienplan eingeführt wurde, wird trotz Aufnahmeprüfung leider nicht abgeschafft werden. Die Eingangsphase erstreckt sich somit über ein Drittel (!) der Studienzeit.
Abgeschafft werden allerdings die Schwerpunkte, wie wir sie heute kennen. Der Fachbereich wird stattdessen mehrere "Kompetenzbereiche" anbieten. Ebenfalls neu wird die Unterteilung des Studiums in Module sein, im Rahmen derer nun auch eine Statistik Lehrveranstaltung zu besuchen sein wird. Gleichzeitig wird die Anzahl der Vorlesungen reduziert und stattdessen durch prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen (noch mehr Anwesenheitspflicht!) ersetzt, wodurch die Verschulung der Uni weiter vorangetrieben wird. Liegen die Anmeldezahlen über den Kapazitäten der Lehrveranstaltungen, werden Studierende der Kommunikationswissenschaft jenen vorgereiht, die hier nur ihre freien Wahlfächer absolvieren. Außerdem werden jene vorgereiht, die früher bereits einmal abgewiesen wurden.
Die Inhalte der neuen Lehrveranstaltungen seien bislang noch nicht bekannt. Nach Angaben der CuKo-Vorsitzenden hat man zuerst die Struktur des Studienplans entwickelt, bevor man sich überlegt hat, was man den Studierenden überhaupt beibringen möchte. Bei der Präsentation zeigte sie sich zuversichtlich, dass man bis Mitte Juli dann wissen würde, welchen Stoff die Studierenden lernen werden. Auch wenn sie sonst für alle Fragen zum neuen Studienplan zur Verfügung stehen würde, bittet sie vorläufig von Fragen zum Inhalt von Lehrveranstaltungen Abstand zu nehmen.
Gut gemeint, aber für viele Studierende ein großes Problem, ist die neue Regelung über die Praxiserfahrungen. Künftig ist ein Auslandssemester zu absolvieren oder - statt bislang 8 Wochen - 14 Wochen facheinschlägige Berufspraxis vorzuweisen oder in diesem Zeitraum in der Forschung mitzuarbeiten. Das Auslandssemester kann auch in einem deutschsprachigen Land absolviert werden, dafür müssen dann dort aber mehr ECTS-Credits absolviert werden, als wie man in einem fremdsprachigen Land müsste. Für Studierende, die in anderen Branchen berufstätig sind, ein Kind zu betreuen haben oder anderen Verpflichtungen nachkommen müssen, kann diese Vorschreibung die Unstudierbarkeit des Fachs Kommunikationswissenschaft in Salzburg bedeuten!
Prüfungen wird es wie bisher in Form von Lehrveranstaltungsprüfungen geben, wobei auch Modulprüfungen (eine Prüfung über mehrere Lehrveranstaltungen) möglich sein werden. Interessant ist zu erwähnen, dass Modulprüfungen an einem anderen Fachbereich soeben aus Gründen der Studierendenfreundlichkeit abgeschafft wurden, während sie an der KoWi eben erst eingeführt werden - aber hier scheiden sich schon seit vielen Jahren die Geister.
Die beiden Bakk-Arbeiten verschmelzen künftig zu einer einzigen Bachelorarbeit im Umfang von 40-55 Seiten, wobei auch noch eine Seminararbeit, die keinerlei Themenbezug zur Bachelorarbeit aufweisen darf, zu verfassen sein wird.
Studierende, welche die STEP bis zum SS2011 nicht abgeschlossen haben, werden automatisch auf das neue Curriculum umgeschrieben. Alle anderen haben noch bis zum SS2013 Zeit ihr bakk-Studium zu beenden. Ein freiwilliger Übertritt vom bakk zum BA ist jederzeit möglich. Die AG Salzburg empfiehlt den Studierenden aber die Einzelheiten bezügl. ECTS-Credits etc. vorher genauestens zu vergleichen (nach dem Senatsbeschluss folgen noch viele weitere Detailinfos) und sich nicht von der weitestgehend unbegründeten Panik über die Anerkennung des bakk-Abschlusses im Ausland anstecken lassen.
Master of Arts (M.A.)
Das Magisterstudium wird vom Masterstudium abgelöst werden. Auch hier erfolgt die Umstellung von Semesterstunden auf Credits (92 + 28 aus freien Wahlfächern). Die Anzahl der Semester wird von mindestens 3 auf mindestens 4 erhöht. Die Lehrveranstaltungen werden einen theoretischen Fokus einnehmen. Auch im Masterstudium wird es die verpflichtende Lehrveranstaltung Statistik geben, die aber wahrscheinlich nur im Winter oder nur im Sommer (gilt auch für B.A.) angeboten werden wird. Modulprüfungen sind ebenfalls vorgesehen.
Die bisher bekanntgegebenen wesentlichen Änderungen im Überblick:
- B.A. und M.A. statt bakk.komm und Mag.komm
- Module und Modulprüfungen
- 14 statt 8 Wochen Praktikum oder verpflichtendes Auslandssemester oder Forschungsarbeit
- nur mehr eine große Abschlussarbeit
- Kompetenzbereiche statt Schwerpunkte
- mehr Anwesenheitspflicht
- mind. 4 statt 3 Semester im Masterstudium
Die präsentierten Studienpläne entsprechen leider nicht den Erwartungen, welche die AktionsGemeinschaft Salzburg vor allem in Hinsicht auf die Anwesenheitspflicht und Praxisdauer an moderne, studierendenfreundliche Studienpläne stellt. Vertraut man auf die Aussagen der CuKo-Vorsitzenden, ist davon auszugehen, dass die Curricula über alle sich ergebenden Probleme und Nachteile hinweg am 22. Juni durchgeboxt werden, da die CuKo-Vorsitzende als StV-Vorsitzende selbst studiert und ihre Kreation für einen Fortschritt hält. Sobald wir nach dem Senatsbeschluss über alle Details des neuen Curriculums berichten dürfen, werden wir unsere Sorgen bezüglich der neuen Studienqualität auch zur öffentlichen Diskussion stellen. Aus Respekt gegenüber dem Senat bitten wir deshalb um etwas Geduld.
Update 23.6.10: Aufgrund der zahlreichen Einzelanfragen, die uns täglich erreichen, sei verraten: Der Studienplan wurde nur kurz vor der Senatssitzung erneut überarbeitet, was relativ ungewöhnlich ist. Welche Veränderungen vorgenommen wurden, ist derzeit weitestgehend unbekannt. Trotzdem fand sich eine Mehrheit im Senat für den Studienplan. Dass es ab kommendem Semester ein BA- und MA-Studium geben wird, ist somit beschlossene Sache. Wir halten euch auf dem Laufenden...

Update 29.6.10: Die neuen Studienpläne stehen zum Download bereit: Bachelor / Master (falsche Version!)
Bachelorstudium:
Im Bachelorcurriculum ist es gelungen, dass nun freie Wahlfächer sowie das Pflichtpraktikum voll in ECTS-Credits angerechnet werden, was von der AktionsGemeinschaft Salzburg grundsätzlich sehr begrüßt wird! Im Gegenzug wurden dafür aber die verschiedenen Lehrveranstaltungstypen an Punkten entwertet (VOs nur mehr 3 Credits, SE nur mehr 6 und PS nur mehr 4). Damit es sich hier nicht um einen "faulen" Kompromiss handelt, hoffen wir, dass auch die Leistungsanforderungen in den Lehrveranstaltungen an die neue ECTS-"Entlohnung" angepasst werden.
Die zwei großen Kritikpunkte, die aus Sicht der AktionsGemeinschaft baldmöglichst angegangen werden sollten, da sie sich massiv auf die Studienqualität auswirken, ist einerseits die Zunahme der Anwesenheitspflicht (um nicht ganz 40 Prozent!) und die Erweiterung der Pflichtpraxis von 8 auf 14 Wochen. Diese Neuerungen können für Studierende, die in anderen Branchen arbeiten müssen (z.B. Familienbetrieb, Mitarbeit am Bauernhof daheim etc.) oder anderweitige Verpflichtungen haben (z.B. Kinderbetreuung) das Studium der Kommunikationswissenschaft verunmöglichen. Den Studierenden wird mit dem neuen Studienplan zu wenig zugetraut, dass sie sich den Stoff mancher Lehrveranstaltungen auch zuhause gemäß dem eigenen Zeitmanagement aneignen können. Dass es dafür geeignete Lehrunterlagen braucht, liegt auf der Hand, dürfte beim Blick auf andere Fachbereiche aber eine den Lehrenden zumutbare Leistung darstellen. Bezüglich der Praktika hätten wir uns gewünscht, dass zumindest die ECTS-Credits der 9.-14. Praktikumswoche je nach Wunsch auch in Form von nicht-prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen gesammelt werden können.
Besonders interessant sind die Regelungen im Studienplan, welche das Praxissemster bzw. den alternativ wählbaren Auslandsaufenthalt betreffen. Bezüglich des Pflichtpraktikums wird festgehalten, dass dieses "in der Regel ... eine durchgängige Tätigkeit" sei, wobei es auch in bis zu drei Teilen absolviert werden kann. Im Musterstudienplan ist allerdings vorgesehen, dass dieses in mehreren Teilen absolviert werden "sollte". Macht man die 14 Wochen Praktikum am Stück, ist dies nur in den Sommerferien möglich, da man aufgrund der erheblichen Anwesenheitsfplicht sonst ein Semester verlieren würde. - Vorsicht: Sich selbst nicht übernehmen, denn ohne Erholung vom Lernstress besteht Burnout-Gefahr!
Für Stirnrunzeln sorgt die ECTS-Vergabe beim Auslandsemester: Dieses wird mit 22 ECTS-Credits vergütet. Macht man das Auslandssemster an einer deutschsprachigen Universität, hat man dort in facheinschlägigen Lehrveranstaltungen 20 ECTS-Credits zu machen, während man an einer fremdsprachigen Universität nur 15 ECTS-Credits absolvieren muss. Ob man als Austauschstudent am dortigen Fachbereich überhaupt soviele Credits machen kann, ist eine andere Frage. Fakt ist allerdings, dass man im einen Fall 2 Credits, im anderen Fall 7 Credits geschenkt bekommt! Studierende aus anderen Studienrichtungen fragen sich da wohl zurecht, ob das ein Scherz ist...
Die Bachelorarbeit umfasst 40-55 Seiten (die Spannweite ist übrigens so groß wie beispielsweise die gesamte Bachelorarbeit am FB Biologie lang ist) und bringt 13 Credits ein (= mindestens 3 Seiten pro Credit). In derselben Sitzung wurde vom Senat (um beim Beispiel zu bleiben) beschlossen, dass die Bachelorarbeit am FB Biologie 14-17 Seiten lang sein muss und 7 Credits (= mindestens 2 Seiten pro Credit) einbringt. Aus Sicht der Studierenden ist es nicht nachvollziehbar, warum eine Seite einer Bachelorarbeit beispielsweise über markenbezogene Public Relations weniger Wert ist als eine Seite beispielsweise über die Wachstumsphasen eines Gänseblümchens.
Übergangsphase: Studierende, die wechseln wollen, können dies ab kommendem Semester machen. Dafür wurde dem Studienplan eine Äquivalenzliste angehängt. All jene, die lieber im alten Studienplan bleiben wollen, können dies insofern sie die Studieneingangsphase bis zum Ende des Sommersemesters 2011 abgeschlossen haben, was wohl durchaus machbar ist ;-)
Masterstudium:
Am neuen Curriculum für das Masterstudium bemängeln wir, dass es primär auf die Ausbildung zum Wissenschaftler bzw. zur Wissenschaftlerin ausgerichtet ist. Wir bedauern es außerordentlich, dass man mit dem Masterstudium die Berufswahl derart kanalisieren möchte. Die AktionsGemeinschaft vertritt die Auffassung, dass eine derart forcierte Ausrichtung auf den Beruf des Kommunikationswissenschaftlers nicht im Sinne der Mehrheit der Studierenden ist, sondern lediglich für einige wenige ein Traumberuf darstellt. Vielmehr erwarten sich die Studierenden durch das Masterstudium das Rüstzeug um nach dem Studium auf dem breiten Feld der öffentlichen Kommunikation fachkompetent arbeiten zu können, was nach dem Abschluss des Bachelors nur bedingt möglich ist. Wir würden es daher begrüßen, wenn sich die Züchtung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf das Doktoratsstudium beschränken würde.
Leider wurde der Umfang der Masterarbeit nicht fest vorgeschrieben. So bleibt es auch zukünftig wohl bei der unglücklichen Situation, dass dieser mehr oder weniger nach Belieben des Betreuers festgelegt werden kann.
Inwieweit die neuen Lehrveranstaltungsformen zu einem positiven Lernerfolg beitragen werden, wird die Zukunft weisen. Wir werden das jedenfalls mit Spannung verfolgen.
Besonders bei genauer Betrachtung des Bachelorstudienplans sind wir der Meinung, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen sein darf. Wir hoffen, dass hier und da noch etwas nachgebessert wird.
Update 6.7.2010: Versehentlich wurde von der Uni eine alte Version ausgesandt. Hier gibt es die richtigen Curricula: Bachelor und Master
Das Thema "Modulprüfungen" ist damit vom Tisch.





