Geerbtes Problem

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Kommentar zum Artikel Hilferuf an die Politik

Während man in Österreich im Jahr 2008 die Beschränkung der Studiengebühren sowie die Abschaffung der Aufnahmeprüfung für die Kommunikationswissenschaft beschlossen hat, erhöhte die Bundesrepublik Deutschland im selben Jahr die Mittel dafür, dass noch mehr deutsche Fachkräfte kostengünstig im EU-Ausland ausgebildet werden können als es bislang schon der Fall war. Das bedeutet für die Uni Salzburg, dass heute fast jeder fünfte Studierende aus Deutschland kommt (am FB Kommunikationswissenschaft ist es circa jeder dritte, am FB Psychologie circa jeder zweite).
Anspruchsberechtigte werden mit dem deutschen Förderpaket „Auslands-BAFöG-Neu“ nun nicht mehr nur für einzelne Auslandssemester unterstützt, sondern erhalten die Fördermittel so lange wie das ganze Studium im Ausland planmäßig dauert. Jenen, die an einer deutschen Hochschule nicht genommen werden, wird über verschiedene Kanäle ein Studium im EU-Ausland schmackhaft gemacht. Auf einer Werbe-Website (www.studieren-in-oesterreich.de) wird sogar suggeriert, dass man neben den BAföG-Mitteln der deutschen Regierung bei Förderungswürdigkeit als EU-Bürger automatisch auch auf österreichische Studienbeihilfe Anspruch hätte (was so nicht richtig ist!). Die Kapazitätsprobleme deutscher Bildungseinrichtungen werden so auf die anderen EU-Länder abgeschoben.
Anstatt einen Blick über die Grenze zu werfen und mit der deutschen Regierung über faire Ausgleichszahlungen zu verhandeln, sodass an unseren Unis ausreichende Kapazitäten für Studierende beider Nationen geschaffen werden können, streitet man sich im Nationalrat aber lieber über die für die Bevölkerung leichter verständliche Scheinlösung, die Studiengebühren wieder gänzlich einzuführen. Der Ansturm auf die Universität Salzburg ist also kein hausgemachtes Problem, sondern ein Resultat politischer Versäumnisse, für die weder der Fachbereich noch die Studierenden aus Österreich oder Deutschland verantwortlich gemacht werden können.

Thomas Köllemann

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AG, Salzburg